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kälbchen
christoph
64521 Wallerstädten
21.02.2010 - #10089
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kälbchen | Blogs | Rapsaussaat mit Einzelkorntechnik


Artikel Hallo liebe Aie User

Nun , letztes Jahr konntet ihr ja eindrucksvoll mit den Bildergalerien vom Klaus Elsesser a.k.a KE Agrarvideo mit verfolgen ,dass wir unseren Raps in Einzelkorntechnik Drillen.

Nun ist gut ein Jahr vergangen , der letzte Raps wurde in diesem Jahr außergewöhnlich früh am 15. Juli gedroschen. Es ist Zeit ein Fazit zu ziehen und Vor sowie Nachteile dieser Drilltechnik aufzuzeigen. Das werde ich anhand dieses Blogs aufzeigen. Beim Bildmaterial werde ich neben meinen innerbetrieblichen Bilder noch die Fotos vom Klaus verwenden.
Ich danke ihm nochmals an dieser Stelle für die Bilder ,die er bei uns gemacht hat.
Fangen wir aber nun mal von vorne an und Analysieren , wie wir unseren Raps bestellt haben .

Bodenbearbeitung .

Wir bauen Raps meist nach Winterweizen an, das bedeutete im letzten Jahr , das der Weizendrusch am 30 Juli erfolgte , das Stroh wurde geborgen. Im Anschluss wurde eine flache Bodenbearbeitung mit der Kurzscheibenegge auf 10 cm Tiefe gemacht. Nach zwei Wochen wurden die Schläge auf 15-20 cm Tiefe gegrubbert( siehe Bild ) Dem Grubber folgte erneut die Kurzscheibenegge um Kluten zu brechen.

Saatbettbereitung , Grunddüngung .


Am 21. August erfolgte unmittelbar vor der geplanten Saat eine Güllegabe von 20 m³ Rindergülle mit anschließender Einarbeitung / Saatbettbereitung mittels Kreiselegge. Eine weitere mineralische Düngung erfolgte nicht mehr .

Die Aussaat .


Am selben Tag noch , erfolgte die Aussaat .Zum Einsatz kam eine konventionelle Zuckerrübendrille . Es wurde die Hybridsorte NK Linus gedrillt . Die Saatstärke betrug dabei etwa 35 Körner /m² der Abstand in der Saatreihe lag bei etwa 5 cm die Reihenweite die vom Rübendrillen üblichen 50 cm .Das ist ein recht enger Reihenabstand im Vergleich zu einer konventionellen "Flächensaat"

Düngung im Frühjahr


Am 4. März erfolgte die Andüngung des Bestandes mit Kalk Ammon Salpeter( KAS ) auf 100 Kg Rein N je Hektar.
Dem folgte am 14. März eine Nachgabe zur Schosse von 70 Kg N in Form von KAS .

Der Pflanzenschutz



Folgende Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgten :
07.09.2013 Herbizid Agil S + Effigo 1l/ha Agil S
0,33l/ha Effigo
15.10.2013 Fungizid Tilmor +Insektizid decis 0,3l/ha Decis
1,0L/ha Tilmor

04.03.2014 Insektizid Karate Zeon ; 2 l/ha Fusilade Max
Herbizid Fusilade 0,200l/ha Karate Zeon
13.03.2014 Insektizid Trebon+ Fungizid Tilmor
0,200l/ha Trebon . 1,2l/ha Tilmor

10.04.2014 Insektizid +Fungizid 0,3l/ha Decis
0,3l/ha Biscaya
0,5kg /ha Cantus Gold

Der Einfachheit halber , habe ich den kompletten Pflanzenschutz tabellarisch aus meiner Schlagkartei gezogen . wie zu erkennen ist, haben wir den Bestand recht Intensiv geführt.

Der Bestand im Frühjahr



Ja wie schon Eingangs beim Drillen beschrieben , haben wir in den Reihen betrachtet eine sehr hohe Bestandsdichte da ja auf 5 cm Abstand in der Reihe gedrillt wurde. Technik bedingt ,ist bei dieser Drillmethode und diesem Reihenabstand bei einer Saatstärke vom etwa 35 Körnern je m² Schluss , hier beginnen wir bei einer " Flächensaat " mit der konventionellen Drillmaschine gerade erst . Bei der Drillmaschine werden ja in der Regel 40-50 Körner je m² ausgebracht.
Ich habe auf meinen Schlag dann mal die Bestandsdichte im Frühjahr ausgezählt sie lag bei 30 Pflanzen pro m² ein Beweis dafür das bei der Einzelkornsaat ein sehr hoher Auflauf garantiert ist .

Achtung ! Höherer Unkrautdruck !


Die Einzelkornsaat weißt ja gegenüber der Drillsaat eine weitaus geringere Bodenbedeckung auf ,des weiteren schließen sich die Pflanzenreihen in diesen Flächen erst sehr Spät im Frühjahr. Das birgt die Gefahr eines hohen Unkrautdruckes wie auch hier im Bild zu sehen. Trotz einer Nachlage von 2 Liter Fusilade auf den Hektar gibt es immer noch Gräser zwischen den Reihen.
Das lag daran das die Gräser in diesem milden Winter optimale Wachstumsbedingungen fanden und uns schier davon wuchsen. Eigentlich hätte man schon Anfang Februar eine weitere Gräserbehandlung vornehmen müssen , um der Lage Herr zu werden. Das ließ aber die mangelnde Befahrbarkeit nicht zu ganz zu schweigen von der Nachtfrostgefahr und die damit drohende Schädigung des Rapses.
Generell können wir auf unseren tonigen Böden nur sehr schlecht Bodenwirksame Mittel Anwenden. Dafür verfügt unser Standort über ein zu hohes Adsorptionsvermögen. Daher haben wir im Herbst das Blattaktive Mittel Effigo eingesetzt. Dessen Preis lag bei 70 ¤ pro Hektar. Des weiteren kommt noch die Nachlage mit 2 Litern je Hektar Fusilade Max zu etwa 30 ¤ hinzu.
Allerdings waren / sind keine zusätzlichen Psm Maßnahmen / Durchfahrten gegenüber der Drillsaat notwendig. Alle zusätzlichen PSM Maßnahmen ließen sich mit den Standart Maßnahmen sprich Insektizid ,Fungizid Maßnahmen problemlos kombinieren.

Besondere Anforderungen die an Saatgut und Bodenbearbeitung gestellt werden.



Besondere Anforderungen stellt die Einzelkornsaat an Saatgut und die vorherige Bodenbearbeitung. Das Tausendkorngewicht des Saatgut darf nicht über 7 Gramm liegen sonst sind die einzelnen Körner zu groß um zuverlässig vereinzelt zu werden.
Diese übergroßen Körner können dann die Vereinzelungsscheiben blockieren und es wird dann kein Saatgut mehr abgelegt oder es kommt zu Fehlstellen wenn nur einzelne Zellen betroffen sind. Allerdings bieten die Saatgutzüchter inzwischen auch speziell gepilltes Saatgut für die Einzelkornsaat an wie es bei den Zuckerrüben schon seit Jahren Standart ist. Welchen Mehrpreis dieses Saatgut hat, das kann ich euch nicht sagen.
Das Saatbett muss ähnlich wie bei der Zuckerrübe sehr feinkrümelig und eben sein hier ergeben sich keine Einsparungen gegenüber der Drillsaat. Sicherlich ließen sich Einsparungen auf leichteren Böden mit einem Striptill Verfahren erzielen ,wir haben allerdings nicht die passenden Böden für eine Striptill Bearbeitung.

Die Ernte , Vorteile durch gleichmäßigere Abreife .



Die Einzelkornsaat weißt eine weitaus gleichmäßigere und schnellere Abreife auf , als die Flächensaat. Unser LU konnte in diesem Bestand bei fast gleichen Ertrag bis zu 0,5 Km/h schneller Fahren ohne steigende Verluste oder stärkerer Mähdrescherbelastungen. Zum Vergleich ein Foto vom Vergleichsbestand den der Lu bei unseren Kollegen vorher gedroschen hatte . Dieser Bestand wurde mit einer Horsch Pronto 3 DC gedrillt :


Hier der Vergleichsschlag der Horsch Pronto : Trotz des fast gleichen Saatzeitpunkt ,es trennten uns nur ein Tag , und der fehlenden Gülledüngung ist diese Bestand von den Stoppeln her noch weitaus grüner als mein Reihensaatbestand.
Das hatte selbst meinen Lohnunternehmer erstaunt ,denn bedingt durch die Güllegaben und die damit einhergehende schlechtere Abreife verursacht durch die späten Nährstoffschübe im Zuge der Stickstofffreisetzung dreschen wir unseren Raps immer als letztes in der Reihenfolge des Lohnunternehmers.

Der Ertrag .



Nun was kann die Einzelkornsaat Ertragsmäßig ? Rekapitulieren wir noch einmal welche "Nachteile " die Einzelkornsaat aufweißt :
- Geringe Pflanzendichte ( 25-35 Pflanzen /m²)
- Schlechte Standraumverteilung in der Reihe ( 5 cm Legeabstand in den Reihen )
- Hoher Unkrautdruck

Trotzdem konnte der Raps in der Einzelkorn Variante überzeugen. Wir ereichten dieses Jahr einen Ertragsschnitt von 44,1 dt / ha . Der Kollege mit der Horsch Pronto kam nur auf einen Ertrag von 41 dt / ha . Allerdings hatte der Kollege einen massiven Befall mit Kohltriebrüsslern deshalb habe ich mir noch den Durchschnittsertrag der Domaine Rheinfelder Hof als Vergleich geholt . Dieser lag bei 43 dt / ha . Die Domaine drillt übrigens mit einer 6 Meter breiten Horsch Pronto.

Nach dem Drusch , Vorteile in der Stoppelbearbeitung .



Die Stoppelbearbeitung und vor allem die fachgerechte !! ist heute in Zeiten von Phoma und Sclerotinia wichtiger den je geworden. Hier erweißt sich der Mulcher als das beste Gerät zur ersten Stoppelbearbeitung um die Reststängel zuverlässig zu zerstören.
Hier ist die Reihensaat mit ihrer schnelleren ,gleichmäßigeren Abreife mal wieder im Vorteil . Wir konnten den Rapsacker unmittelbar nach dem Drusch mulchen. Die Arbeitsgeschwindigkeit lag bei 11 Km/h ohne das der Schlepper oder der Mulcher an seine Grenzen kam auch das Arbeitsbild ist mehr als Akzeptabel.
Beim Normal gedrillten Bestand ist hier unter Umständen eine Wartezeit von einer Woche erforderlich bevor die Stoppeln ausgetrocknet sind und sich überhaupt mulchen lassen.
Achja noch ein Wort zum Vorgespannten Schlepper :
Wer jetzt noch wie wir den Pflegeschlepper mit seinen schmalen Reifen davor spannt und eine passende Spurweite von 1,5 Metern hat, kann durch geschicktes Fahren so mulchen das keine weiteren Stängel vor dem Mulcher umgedrückt werden. Das macht dann einen Frontmulcher überflüssig ohne Einbußen beim Arbeitsergebnis in kauf nehmen zu müssen.
Aber jeden Tag den wir früher die Stoppeln mulchen können , abgefallene Schoten zum Keimen bringen könnten ,der hilft uns beim späteren Pflanzenschutz in den kommenden Rapsbeständen.

Beim Landhandel , Wirtschaftlichkeit und Kosten der Einzelkornsaat.



Am Ende entscheidet ja die Wirtschaftlichkeit darüber ob sich das Verfahren lohnt. Schauen wir uns zunächst einmal den Roherlös an , den die einzelnen Verfahren bei einem Rapspreis von 30¤ /dt eingespielt haben :

Einzelkornsaat : 1323¤ /ha ( 44,1 dt/ha)
Vergleich Drillsaat : 1230¤/ha ( 41 dt/ha)
Referenz Rheinfelder Hof : 1290¤ /ha ( 43 dt /ha)

Wenn wir nun den eigentlichen Vergleichsschlag meines Berufskollegen auf der selben Gewanne wegen des massiven Kohltriebrüssler Befalles außen vor lassen und nur mit dem Ertrag des Rheinfelder Hofes vergleichen, so kommen wir auf einen Mehrerlös von 33 ¤ /ha . Jetzt haben wir aber auch noch Saatgut gespart . Wie weit kommen wir mit einer Einheit Saatgut mit 1,5 Millionen Körnern in den einzelnen Verfahren ?

Einzelkornsaat , 35 Körner /m² , 350 000 Körner /ha ergeben 4,2 ha
Drillsaat , 45 Körner /m² ,450 000 Körner /ha ergeben 3,3 ha

Welche Kosten ergeben sich beim Saatgut pro Hektar bei der Tatsache ,das uns eine Einheit im letzten Jahr 237¤ gekostet hatte ?

Einzelkornsaat : 56,43¤ /ha
Drillsaat : 71,82 ¤/ha

Somit kann die Einzelkornsaat weitere 15,39 ¤ /ha einsparen ohne das ein Ertragsverlust festzustellen wäre.
In der Summe konnten wir so etwa 48,39¤ mehr pro Hektar erlösen als bei einer Drillsaat.
Bleiben nun noch die zusätzlichen Kosten für die Einzelkorn Saat. Hierfür wurden uns 45 ¤ /ha berechnet unsere Drillmaschine hätte uns nur 41¤ je Hektar gekostet also etwa 4 ¤ /ha weniger als die Einzelkornmaschine . Dazu kommt ja noch der zusätzliche Pflanzenschutzaufwand im Frühjahr mit einer Herbizidgabe der mit 22 ¤ /ha eingerechnet werden muss.
Somit bleibt es dann bei einem Mehrerlös 22,39¤ /ha bei einem Rapspreis von 30¤ /dt . Je höher natürlich der Rapspreis bei der Vermarktung ist, um so besser ist natürlich die Situation beim Mehrerlös .

Schlussfazit




Also was kann die Einzelkornsaat nun ? Fassen wir die Ergebnisse Stichpunktartig zusammen:




- Weniger Saatgutkosten ( 15,39¤/ha)
- Mehr Ertrag und Erlös (22,39¤/ha)
- Höherer Feldaufgang
- Gleichmäßigere Abreife
- Schnellerer Drusch ( ca 0,5 km/h Mehrgeschwindigkeit )
- Schnellere ,bessere Stoppelbearbeitung


Es gibt aber auch gewisse Nachteile ,fassen wir diese Punkte auch zusammen :

-Geringe Bestandsdichte
-hohe Anforderungen an das Saatbett
- Benötigt spezielles Saatgut ( TKG nicht größer als 7 Gramm )
-geringe Bodenbedeckung
- höherer Herbizid Aufwand

Aber insgesamt konnte die Einzelkornsaat bei uns überzeugen. Sie erwirtschaftete einen Mehrertrag von 22,39¤ je Hektar auf unseren Standort.

Ich bedanke mich nun nach über 9 Seiten mal wieder für eure Aufmerksamkeit . Beim Bildmaterial geht noch mal ein herzlichster Gruß sowie Dank an unseren Klaus Elsesser heraus der mich aktiv bei diesem Blog mit seinem Fotomaterial unterstützt hat.
Für Rückfragen und Anregungen stehe ich euch wie gewohnt zur Verfügung .

Mit freundlichen Grüßen


Christoph Landau
Staatlich geprüfter Gartenbautechniker


Bilder :
Klaus Elsesser
Heinrichstal

Text und weiteres Bildmaterial :

Landwirtschaftsbetrieb
Christoph und Günter Landau
Hintergasse 4
64521 Wallerstäden
Mobil : 0151 24284153
email : landau-christoph@gmx.de
Statistik
Veröffentlicht am:
17.08.2014

Aufrufe:
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24

Kommentare:
10

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18.08.2014 17:04
718 tms
Frank
Ochsenfurt
20.02.2007 - #2647

23


18.08.2014 21:52
Andi1970
Andreas
Lautertal
21.11.2007 - #3589

306
Sehr interessant

18.08.2014 23:07
Hot Dog
Lars
Bad Soden am Taunus
26.07.2008 - #4583

Sehr informativer Blog

19.08.2014 22:36
pinkpig
Matthias
Hohen Neuendorf
04.06.2013 - #17483

38
Wieder viel gelernt-danke

19.08.2014 22:38
Falk17
Falk
Leubsdorf
20.09.2009 - #8172

1.261
wirklich interessant

29.08.2014 22:50
PowerAusNeuss
Florian
Grünberg
28.10.2012 - #16745

197
Interesanter Blog
Wäre es vielleicht eine möglichkeit den hohen Unkrautdruck durch hacken mit einem ZR Hackrahmen in den Griff zu bekommen, um nicht mehr spritzen zu müssen als bei herkömmlich angebauten Raps?

29.08.2014 23:12
kälbchen
christoph
64521 Wallerstädten
21.02.2010 - #10089

370
11
@ Power aus Neuss :


Hmhmhmhmhm so etwas haben wir dieses Jahr vor , mal sehen welche Ergebnisse wir erreichen können .


Lg C.Landau

02.09.2014 13:28
Spreewaldbauer
Daniel
Vetschau
16.09.2009 - #8130

129
Top ... wirklich sehr interessant

Grüße aus dem Spreewald

10.10.2014 22:03
Thomas1990


10.02.2008 - #3901

335
Hey, super interessanter Beitrag.
Kontrolliere aber mal die Aufwandmenge von Karate - glaube da hast du dich vertippt

12.10.2014 13:47
kälbchen
christoph
64521 Wallerstädten
21.02.2010 - #10089

370
11
Danke für das Lob Thomas .

Bei der Aufwandmenge für das Karate Zeon , da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen , es sind natürlich 75 ml je Hektar . Aber wie sage mir Hessebube so scheee :

Scheißdregg ! bassiert ! ....

Noch ein paar Worte zur diesjährigen Rapsaussaat :

Es kristallisiert sich immer stärker heraus , das die Einzelkornsaat wohl weitaus wenige mit dem Rapserdfloh zu kämpfen hat , durch ihre sehr präzise Saatgutablage und Rückverfestigung , als die normale Drillsaat .

Wenn ich mir heuer einige Rapsbestände anschaue ,dann wird es mir Angst und bange ,was der Rapserdfloh alles weggefressen hat !.......


Lg C.Landau







 


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