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kälbchen
christoph
64521 Wallerstädten
21.02.2010 - #10089
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kälbchen | Blogs | Erzeugung von Luzernenheu .


Artikel Hallo liebe Aie User .

Mich haben dieses Frühjahr via Facebook und Aie einige Anfragen erreicht , weil unser Betrieb Luzernenheu produziert ,das allerdings nicht wie heute meist üblich in großen Futtertrocknungen nachgetrocknet wird.
Nun kamen die Fragen auf , wie macht ihr das , wie haltet ihr die Blattverluste im Griff und vor allen wie könnt ihr das Heu überhaupt effektiv auf dem Acker trocknen ??
Daher habe ich mich nun entschlossen , diesen Frage in Form eines neuen Blogs , Antwort zu geben . Dabei werde ich meine betrieblichen Erfahrungen schildern , zeigen mit welchen Tricks und Kniffen wir die Blattverluste im Zaum halten sowie über unsere technischen Besonderheiten bei der Lagerung und Nachreifung des Heues berichten.
Bei der Bildqualität muss ich aber gleich entschuldigen , wie ihr wisst bin ich leider ein ganz bescheidener Fotograf und die widrigen Einsatzbedingungen in täglichen Alltag haben meiner kleiner Digitalkamera mittlerweile ganz ordentlich zugesetzt.
Fangen wir aber ganz vorne an , beim Mähen :

1. Die Mahd :


Ja also hier gibt es aus meiner Sicht keine Besonderheiten , hier kann jeder Betriebsleiter frei nach seiner Regie entscheiden ob er den Schlag mittels Trommelmäher , Scheibenmäher oder Doppelmesser Mähwerk beerntet .
Wir haben Jahrzehnte lang nur per Doppelmesser Mähwerk die Luzerne gemäht .Mein Vater hatte sich hiervon eine Schonung und sehr sauberen Schnitt somit einen besseren Wiederaustrieb der Luzerne versprochen. Seit zwei Jahren setzen wir auf ein einfaches Trommelmähwerk und konnten keine Verzögerung beim Wiederaustrieb feststellen.
Es steht ja in diesem Bezug die Frage im Raum ,ob man ein Mähwerk mit Aufbereiter einsetzen sollte, nun hierzu können wir nicht raten.
Wird ein Aufbereiter eingesetzt , so besteht die Gefahr von Blattverlusten da insbesondere Aufbereiter mit Kunststoff , Stahl oder Gummischlegeln/ Fingern dazu neigen die Blätter abzuschlagen.
Ein Rollen Konditioner kann hier sicherlich schonender Arbeiten als die Zinken Aufbereiter.

2. Das Wenden


Ja liebe Kollegen ,beim Wenden bzw. Zetten gibt es eigentlich nicht viel zu beachten. Hier kann jeder seinen Wender des Belieben verwenden. Wenn man- wie ich hier- Zetten will also mit hoher Drehzahl und hoher Aggressivität die gemähten Schwaden auseinander zu werfen , dann sollte das unmittelbar nach dem Mähen erfolgen .
In der Praxis konnten wir etwa drei mal das Heu wenden ohne nennenswerte Blattverluste zu verzeichnen.

2.1 Runter mit der Drehzahl und Geschwindigkeit !!!


Wir waren ja gerade beim Thema Zetten, Wenden und Drehzahl . Hier gilt im Luzernenheu: Runter mit den Drehzahlen und Arbeitsgeschwindigkeiten.
Das gilt für alle Maschinen die dem Mähwerk folgen. Wir gehen dabei bis auf 220 Zapfwellenumdrehungen bei Schwader und Wender herunter. Bei der Vorfahrts- Geschwindigkeit fahren wir nicht schneller als maximal 9 km/h.

2.2 Der Frühe Vogel schont die Blätter ! !


So Widersinnig es jetzt erstmal klingt : Meist nutzen wir die morgendliche Taunässe aus um das heu möglichst schonend zu wenden ,zu schwaden und zum Schwaden drehen.
Wie aber hier auf dem Foto recht gut zu erkennen ist , haben wir nun nach 4 Tagen Feldliegezeit mit 3 mal Wenden und das erste Aufschwaden kaum Verluste an der Blattmasse erleiden müssen.
Auf der anderen Seite ist aber diese Verfahrensweise sehr gut um die betriebliche Auslastung von Wender und Schwader steigern zu können.

3. Das Schwaden :


Auch hier wieder : Es gibt seitens der Technik und Marken keine Besonderheiten ,hier kann alles ran was das Herz begehrt. Allerdings wieder der Hinweis : Relativ langsam Fahren und keine zu hohe Schwaderdrehzahl verwenden.
Ganz klar : Die Hersteller empfehlen zwar meist zwischen 300-500 U/min zur optimalen Rechenarbeit . Diese Drehzahl ist aber für das Heu noch zu hoch.
Allerdings kann man bei diesen vorgebenen Drehzahlen über 12 km/h schnell schwaden. Wir drosseln aber nicht nur die Schwadkreisel Drehzahl sondern auch die Fahrgeschwindigkeit bei maximal 9 Kilometern pro Stunde kommen wir recht gut zurecht mit unseren geringen Kreiseldrehungen.
Wer es mit der Futterschonung und der Minimierung von Blattverlusten auf die Spitze treiben will , der sollte eine Spinne ,der sogenannte Sternradschwader verwenden. Dieser kann noch schonender die Schwaden aufziehen und drehen. Er kann aber Nachteile haben, beim Einsatz in Silage .
4. Das Schwad drehen .

Das Heu lässt sich ja leider nur 3-4 mal mit dem Wender kehren ohne nennenswerte Blattverluste . Das reicht aber bei weitem nicht aus , um die Stängel der Luzerne so weit zu trocknen um es problemlos Pressen zu können.
Daher nutzen wir die Schwadtrocknung . Am 3 oder 4. Tag , je nach Witterung( sprich Sonneneinstrahlung , Wind, Außentemperatur ) ziehen wir das Futter auf relativ kleine Schwaden. Wir ziehen dabei meist nicht mehr als 6-7 Meter Arbeitsbreite auf einen Schwad.
Die Feldliegezeit beträgt bei uns bis zu 14 Tage und auch hier wieder der allgemeine Spruch : Je nach Witterung ! Im Normalfall ohne Regenschauer kommen wir mit 8-10 Tagen Feldliegezeit aus. Stichwort Regen !
Das ist auch einer der Gründe , neben den Blattverlusten ,warum wir nach dem 4. Tag das Heu auf die Schwaden ziehen. Die Schwadtrocknung ist bei weitem nicht so effektiv wie eine Breitstreuung aber sollte es zwischen durch einen Regenschauer geben , so ist meist nur die Schwadoberseite etwas angefeuchtet aber nicht das komplette Erntegut.
Ist das Erntegut dann auf etwa 15-20 % Restfeuchte getrocknet kann das Pressen erfolgen.

5.Das Pressen , keine Festkammerpressen , Großpackenpresse einsetzen !


Beim Pressen gilt auch : Das Erntegut ist maximal zu schonen ! Daher scheiden - aus meiner Sicht - Hochdruckpressen und Großpackenpressen sowie Festkammer Ballenpressen für die Pressung des Luzernenheues aus. Diese Pressen zerbröseln das Heu regelrecht.
Lieber sollten Pressen mit einer Variablen Presskammer verwendet werden. Unser Lohnunternehmer setzt auf eine John Deere Presse mit Gummibändern. Das funktioniert recht gut allerdings muss auch hier die Drehzahl der Zapfwelle und der Pressdruck sehr weit reduziert werden. Der beste Zeitpunkt zum Pressen ist auch hier entweder frühmorgens oder spätabends auch hier darf es beim Pressen durchaus etwas angezogen haben das trägt sogar zur Senkung der Blattverluste bei. Eines Vorneweg für den Pressenfahrer :
Reduzierte Zapfwellendrehzahlen und geringe Pressdrücke sind nicht gerade ideale Voraussetzungen für perfekt geformte Ballen .....

6. Der Ballentransport , Vorsicht , weiche Ballen lassen sich nicht gut fahren !


Mal einen Blick auf beide Hänger geworfen . Der geübte Schlepperfahrer wird jetzt zu recht feststellen, dass die Ballen nicht gerade schön geladen sind.
Das ist eben der Nachteil an der sehr weichen Pressung der Ballen . Daher kann ich nicht empfehlen , doppelt zu stapeln . Ich setze -wie hier zu sehen - meist die obere Lage der Ballen zentral und einfach als Binder auf . Man darf sich auch nicht darüber wundern , wenn man die Ballen mit Spanngurten sichert , das man die Ballen mehrfach nachzurren muss .
Hier wäre natürlich ein Ballenhänger mit festen Seitenwände wie sie Krassort oder Fliegl sie anbieten natürlich im Vorteil .
Jetzt haben wir die Ballen geladen ,aber wie nun das Heu lagern ??

7. Die Lagerung . Gute Durchlüftung , Temperaturkontrolle und niemals in eine geschlossene Halle !!


Rufen wir uns kurz in Erinnerung wie wir das Heu Produziert haben , Wenden , Schwaden , Pressen bei taunassen Bedingungen ,eine Futterpflanze mit sehr harten und vor Austrocknung schützenden Stängeln - eigentlich haben wir ja fast alles falsch gemacht ,was man beim normalen Heu falsch machen kann. Das muss einem klar sein , wenn man sich Gedanken über die weitere Lagerung des Heues macht.
Es muss auf jeden Fall noch die verbleibende Restfeuchte aus den Ballen weggetrocknet werden.
Aus diesem Grund, setzen wir unsere Ballen ,zum einem, erst mal auf Paletten und zum anderen haben wir extra zur Lagerung eine offene Halle die eine sehr gute Durchlüftung bietet.
Es kann aber auch simpel mit einem entsprechenden Rundballenvlies abgedeckt werden. Wichtig ist aber , einen Bodenkontakt zu vermeiden sonst beginnen die Rundballen zu schimmeln.
Aber die Ballen sollten / müssen im Zweifel in ihrer Temperatur überwacht werden. Für diesen Zweck hat unsere Feuerwehr eine sogenannte Heumess- Sonde angeschafft , die an die örtlichen Landwirte verliehen wird . Auch wir nutzen dieses Gerät im Zweifelsfalle.
Sollten die Ballen eine Temperatur über 70c° erreichen ,so ist der Ballenstapel SOFORT !! auseinander zu setzen sonst besteht Brandgefahr.
Das ist auch der Grund warum ich hier so eindringlich davor warne , die Ballen sofort vom Feld in eine geschlossene Halle zu lagern . In einer Halle oder Scheune kann der Luftaustausch nicht so gut stattfinden und es ist eben mit einer sofortigen Schimmel und Wärmenester Bildung gerechnet werden.
Sie sollten daher etwa 6-8 Wochen in solch einer offenen Halle oder einen Abgevliesten Ballenstapel gelagert werden bevor das Futter endgültig in eine Scheune oder Halle gesetzt wird.
Jetzt haben wir das Heu erzeugt und gelagert . Was kann nun das Futter?

8. Was kann das Futter , wo passt es hin ?


Was kann das Heu , wo passt es hin ?

Nun Luzernenheu passt wunderbar in eine Maisreiche und strukturschwache Futterration. Die Halme des Heues regen das Wiederkauen an so steigt die Speichelproduktion an und eine Pansenazidose wird verhindert. Das steigert die Tiergesundheit.
Einen riesigen Vorteil hat das selbst produzierte Heu gegenüber zugekauften Trocknungsluzerne aus Frankreich,Italien und Spanien ( Handelsname Rumiluz und Rumiplus ) darin , das die Struktur des Futters sehr homogen ist !
Bei dem Trocknungsheu aus dem Ausland kann die Struktur und das Verhältnis zwischen den Blätter und den Stängeln extrem schwanken.

Weiter hat Luzerneheu folgende Parameter aufzuweisen :
• Feuchtigkeit: 15 -20 %
• Rohprotein: mind. 15 %
• Mineralstoffgehalt: ca. 10,4 %
• Kalzium: ca. 20-24 g/kg
• Phosphor: ca. 2 bis 2,5 g/kg
• Strukturwert: mind. 3



Klar kann man auch für eine Strukturerhöhung sicherlich Futterstroh einsetzen. Das weißt aber nicht diese Inhaltsstoffe auf und ist dadurch weitaus weniger Wertvoll.
Aus ackerbaulicher Sicht ist natürlich der Vorfruchtwert der Luzerne als Fabaceae / Leguminose auch nicht zu verachten ! Des weiteren könne die über 8 Meter langen Wurzeln des Klees Bodenverdichtungen aufbrechen . Ziehen wir nun ein Fazit .

9. Ein Fazit


Ein hochwertiges Futter ,das Ansprüche und Engagement an den Betriebsleiter stellt ! Auf der anderen Seiten kann es - clever geplant - die Auslastung der betriebseigenen Futterernte Maschinen steigern da es in seiner Produktion sich entgegengesetzt der üblichen Stroh und Heusorten verhält .
Ja wir benötigen sogar die Taufeuchten Tageszeiten wo normalerweise kein Heu gewendet , geschwadet oder gepresst werden kann , um die Blattverluste senken zu können.
Trotzdem muss mit bedacht dabei gearbeitet werden denn zwischen Taufeucht und Nass liegt ein schmaler Grad ! Und auch kann mit den Heumaschinen trotz der Feuchte nicht einfach auf Leistung los gearbeitet werden. Besser sollten die Drehzahlen der Arbeitsmaschinen so gering wie möglich gehalten werden.
Des weiteren muss man als Betriebsleiter die ruhe behalten können wenn das Futter mindestens 8 Tage bis hinaus auf 14 Tage auf dem Feld liegen bleiben muss ....
Die Lagerung stellt auch Gewisse Ansprüche an die Bedingungen. Erst muss das Heu, trotzt der langen Feldliegezeiten , noch im Lager nachtrocknen. Dazu ist eine gute Luftzufuhr notwendig. Direkter dauerhafter Bodenkontakt ist in den ersten 8 Wochen der Lagerung tunlichst zu vermeiden.

Noch ein paar Schlussworte in eigner Sache :

Mein Blog stellt keine Ansprüche auf Absolutheit und Vollkommenheit. Ich habe hierbei meine Erfahrungen und Eindrücke zusammen gefasst die ich hier im hessischen Ried vorfinde und mittlerweile sehr gut im Griff habe.

Daher rufe ich hier zu einem offenen Erfahrungsaustausch auf , ich denke das ich hier sicherlich von euch , liebe Kollegen im einen oder anderen Bereich dazu lernen kann.
Wir können hier sicherlich noch viele Informationen zu diesem Thema zusammen tragen.

Kleine Anmerkung zu den Bildern ! Die Bilder sind alle dieses Jahr in unseren Betrieb entstanden , leider spinnt aber die Datumsfunktion an meiner Digitalkamera. Daher bitte nicht für ernst nehmen, wenn beim Pressen der 24. 12. 2012 unter dem Bild steht . ...

Für Fragen und Antworten stehe ich euch wie gewohnt zur Verfügung .


Text :
Christoph Landau
Staatlich geprüfter Gartenbautechniker

Bilder :

Landwirtschaftsbetrieb
Christoph und Günter Landau
Hintergasse 4
64521 Wallerstädten

Email : landau-christoph@gmx.de
Mobil : 0151 24284153
Festnetz : 06152 59374
Statistik
Veröffentlicht am:
11.07.2014

Aufrufe:
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17

Kommentare:
7

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12.07.2014 10:25
Tob79
Tobias
Ditzingen
10.02.2014 - #18082

3.736
3
Gratulation,

mal wieder ein schöner, informativer Blog.

Prima, ich freu mich schon auf den nächsten Blog von Dir.

12.07.2014 11:03
Stefan_S
Stefan
Mainleus
18.05.2008 - #4270

538
Sehr informativ, top!...

12.07.2014 15:01
TheHaschmi
Hagen
Wiesloch
21.06.2012 - #16167

20
71
Immer wieder gut

13.07.2014 16:37
kälbchen
christoph
64521 Wallerstädten
21.02.2010 - #10089

427
11
Na dann sag ich mal :

Vielen Dank für das Lob , liebe Berufskollegen


Lg C.Landau

14.07.2014 10:32
718 tms
Frank
Ochsenfurt
20.02.2007 - #2647

23


14.07.2014 14:10
Christoph B.
Christoph
Röschitz
15.06.2012 - #16137

3.307
6
Sehr interessant, auch für Leute die keinen Betrieb zu Hause besitzen schön zu lesen und verständlich Hast du gut gemacht

15.08.2014 17:25
Mettbrötchen
Christian
LK Vechta
15.08.2011 - #14352

168
Ich finds auch sehr interessant.
Leider haben wir hier weder das Wetter, noch die Böden für Luzerne.







 


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