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Kurbelwelle | Blogs | Kartoffeln: Vom Setzen bis zur Ernte


Artikel Kartoffeln: Vom Setzen bis zur Ernte


Allgemeines
Die Planung der Parzellen, wo im Frühjahr Kartoffeln gepflanzt werden sollen begann schon im Herbst. So wusste ich bereits in dieser Zeit die Vorfrüchte der einzelnen Parzellen: Auf der Parzelle Oensingen Nord stand als Vorfrucht Zuckerrüben. Auf der Parzelle Mühlehölzli und der gegenüberliegenden Parzelle, die wir durch Abtausch eines anderen Landwirtes zugeteilt bekamen stand als Vorfrucht Sommergerste. Und auf den zwei kleinen Parzellen Weid und Berken stand als Vorfrucht Mais.

Bearbeitung im Herbst
Im Herbst wurden die zwei Parzellen Mühlehölzli auf 35 cm tief gepflügt. Da in der Zeit von der Ernte des Getreides bis zum Zeitpunkt des Pflügens ca. fünf Monate vergingen, wachste einiges an Unkraut. Doch auch dieses kehrte der Pflug sauber unter und es waren keine Rückstände an der Oberfläche zu sehen.
Die Parzelle Oensingen Nord wurde erst im Februar gepflügt, da sie vorher noch zu nass war, besonders im Bereich, wo der Zuckerrübenhaufen lag. Auch hier war das Pflugbild sehr eben, jedoch etwas schmierig von der Nässe.


1 Pfluggespann, allerdings hier mit Schmalspurbereifung

Die beiden Parzellen Weid und Berken wurden im Herbst mit unserem Flügelschaargrubber mit ca. 10 Km/h bearbeitet, nachdem vorgängig die Stoppeln gemulcht wurden.


2 Flügelschaargrubber

Bearbeitung im Frühling
Im Frühling war der erste Akt das Ausbringen des Brantkalkes. Ich lud den Streuer voll und fuhr auf die Parzelle Mühlehölzli. Nachdem ich die erste Bahn gezogen habe, merkte ich, dass der Brantkalt nicht sauber nachläuft und sich Brücken bilden im Düngerstreuer. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Brantkalk von der Konsistenz wie Mehl war. Somit brach ich die Übung ab und wir mussten warten, bis der Kastenstreuer der UFA frei war.
Nachdem der Brantkalk Anfangs April auf die Flächen ausgebracht wurde, war vorerst Ruhe auf den Feldern. Uns fehlte die Zeit und das Wetter spielte auch nicht mit, um die Felder weiter zu bearbeiten.
Mitte April wurde schliesslich der Reifenwechsel auf beiden unserer Ackerschlepper vorgenommen: Der John Deere 6320 wechselte von 380er Bereifung auf die Pflegebereifung 270er. Der John Deere 6610 tauschte seine 600er Puschen gegen die 380er Breitreifen seines kleinen Bruder. Durch diesen Reifenwechsel sind wir nun im Stande Pflegearbeiten und die Saatbeetbereitung für die Kartoffeln mit beiden Schleppern zu erledigen.

Beetpflügen
Ende April dann kam der lang ersehnte Start der Saatbeetbereitung. Ich holte bei einem Landwirt aus Niederbipp den Beetpflug, der in der Maschinengemeinschaft läuft. Unser Saisonarbeiter aus Polen zog dann am 28.4. die Dämme mit dem Beetpflug auf den beiden Parzellen im Mühlihölzli. Die Dämme wurden auf eine Tiefe von ca. 75 Zentimeter gezogen, was einiges an Zugleistung in Anspruch nahm.


3 Beetpflug in Arbeitsposition
Besonders schwierig beim Ziehen der Dämme ist, dass sie absolut gerade sein sollten, da die nachfolgenden Arbeitsgänge vom Ergebnis der Dämme abhängig ist. Doch unser Pole ist ein routinierter Fahre und so war es für ihn eine einfache Sache die Dämme in einer Linie zu ziehen!

Separieren
Als nächster Arbeitsgang stand das Separieren an. Auch hier musste ich zuerst den Separator in Niederbipp abholen. Der Separator hängte hinter unserem 6610er, was zwar nicht optimal ist, da der 6-Zylinder nicht so wendig ist, aber es geht. Ein paar spezielle Dinge des Separators an dieser Stelle: der Separator wird in das Zugpendel am Schlepper gehängt, was für einen tiefen Schwerpunkt sorgt. Der Separator ist mit einer vertikalen, hydraulischen Deichsel versehen, um ihn in den Boden zu lassen. Weiter ist die Achse des Separators in Transportstellung hydraulisch ausgehoben und wird im Einsatz heruntergefahren. Auch ist die Achse gelenkt über einen Hebel am Steuergerät des Separators. Allerding ist seit geraumer Zeit die Skala der Stellung der Achse defekt und so muss der Fahrer die Maschine immer im Auge behalten und gegebenenfalls Verstellungen vornehmen.


4 Anhängung des Separators


5 Hydraulische Achsvertikalverstellung

Das Separieren ist eine sehr komplexe Arbeit, die viel Konzentration des Fahrers abverlangt und sehr zeitintensiv ist. Je nach Parzelle ist eine Arbeitsgeschwindigkeit von 4 km/h möglich. Auf den beiden Parzellen Mühlehölzli war es aber alles andere als angenehm zu fahren. Der Acker war übersät von Steinen und so konnte ich kaum zwei Runden fahren ohne den Steinbehälter zu entleeren. Zudem kamen mehrere Findlinge von 30-70 Kilogramm an den Tag, die dann meistens in den Eizugszinken des Separators verklemmten und die von Hand herausgemurkst werden mussten, da die Maschine keinen Rücklauf hat. So kam es dann auch, dass in einer Runde bis zu vier solcher Findlinge in der Maschine verklemmten, was für mich sehr mühsam war.


6 Auf diesem Bild sind die Findlinge zu sehen

Die Beete wurden auf eine Tiefe von rund 27 Zentimeter separiert, optimal, um anschliessend die Kartoffeln zu setzen.


7 Tiefe des Saatbeets beim Einstellen des Separators


Kartoffelsetzen
Nach dem Separieren folgte gleich anschliessend das Setzen der Kartoffeln. Da wir vorgängig separiert haben, ist es unmöglich mit einer Vier- oder sogar sechsreihigen Legemaschine zu arbeiten. Dies geht aufgrund der Abstände der Beete nicht. Wir pflanzen unsere Kartoffeln mit einem zweireihigen Gruse Legegerät, auf dem eine Pumpe installiert ist, die die Beize vom Fronttank nach hinten zum Legegerät pumpt. Durch das vorgängige Separieren sind wir nun im Stande mit etwa 7 km/h zu pflanzen. Wir rechnen pro Hektare ca. 2 bis 2,5 Stunden für das Pflanzen. Gepflanzt wird auf eine Tiefe von rund 10-17 cm, je nach Sorte.


8 Kartoffelsetzen
Dammformen
Nachdem die Kartoffeln gepflanzt wurden, liessen wir diese etwa drei Wochen gedeihen und als die ersten Kartoffelstauden aus dem Damm guckten, begannen wir mit dem Dammformen der Parzellen.
Beim Dammformen gibt es zwei verschiedene Varianten, diese Arbeit durchzuführen: Auf der einen Seite die aktive Variante, auf der anderen Seite die passive Variante. Bei der Aktiven wird der Damm durch die rotierenden Zinken mit Erde versorgt, die dann mit dem Abstreichblech den Damm formen. Bei der passiven Variante wird der Damm nur durch mehrere Gänseschaarspitzen und einem Abstreichblech geformt.
In unserer Maschinengemeinschaft haben wir Zugriff auf beide Systeme, die je nach Parzelle gebraucht werden. Zudem läuft der passive Dammformer, in unserer Region auch als Häufelgerät bekannt, in der Vermietung. Somit wird die Maschine in ihrer kurzen Einsatzzeit zusätzlich ausgelastet. Das Häufelgerät macht im Jahr so um die 60 ha.


9 Häufelgerät von hinten


10 Häufelgerät von der Seite
Beobachtungen im Frühling
Nachdem alles gehäufelt war, wuchsen die Stauden ziemlich schnell. Nach einem kurzen, aber intensiven Regenschauer Mitte Mai, war der Reihenschluss der Stauden nun vollzogen. Da wir in den Kartoffeln ohne Fahrgassen gesetzt haben, ist es nicht gerade einfach zu sehen, wo eine Fahrgasse ist. Aus diesem Grund wurden die Fahrgassen im Voraus abgesteckt. Der grosse Vorteil mit unserem Pfelgegespann und der 270er Bereifung ist, dass die Fahrgassen wie geteert sind und dadurch eine hohe Laufruhe des Spritzgestänges gewährleistet ist. Der Nachteil dadurch ist allerdings die hohe Verdichtung der Fahrgassen. Doch auch die Verdichtung hat wiederum seinen Vorteil: da wir jede Woche die Kartoffeln mit Fungiziden behandeln, sind wir auch in der Lage, die Behandlung auszuführen, wenn es geregnet hat oder etwas nässer ist.
Was ich eher als mühsam ansehe ist, dass wir auf einer Parzelle gleich zwei Starkstrommasten stehen haben. Dies ist vor allem beim Pflanzenschutz extrem mühsam, da immer wieder der Balken eingeklappt und ausgeklappt werden muss. Dies ist auch aufgrund der Breite des Gestänges von 24 Meter eher mühsam. Unsere Spritze ist in unserer Region die Grösste neben einem Selbstfahrer.


11 Unser Pflanzenschutzgespann
Beobachtungen im Sommer
Im Sommer 2011 waren die Kartoffeln bei uns durch die enorme Hitze und den Regen schon sehr früh reif. Im Sommer machte uns der Pflanzenschutz etwas mühe, da es meistens am Morgen schon warm war und wir so erst am Abend spät ausrückten um zu spritzen.
Mitte August begannen wir mit dem Roden der Fontane. Da wir von Woche zu Woche immer wieder Kontingente der Abnehmer von meistens um die 100 Tonnen pro Woche bekamen, konnten wir zügig roden. Das Problem war allerdings, dass die Knollentemperaturen der Fontane anfangs über 30° waren und wir so den direkten Abtransport und die Verarbeitung gewährleistet haben mussten. Doch alles war sehr gut organisiert: Da wir durchgehend weniger als 3% Verluste haben, werden unsere Kartoffeln nach der Ablieferung direkt verladen und zur Verarbeitung gebracht. Durch dieses Verfahren sind wir viel schneller vom Risiko des Verlustes distanziert. Uns war es dank des Separierens im Frühling jetzt möglich je nach Parzelle bis 5 km/h schnell zu roden. Somit leisteten wir eine Erntemenge von ca. 40-55 Tonnen pro Tag, je nach Fahrgeschwindigkeit.
Beobachtungen im Herbst
Nachdem wir im August die Fontane gegraben haben, gruben wir im September Viktoria. Ein Teil der Viktoria gruben wir lose, den anderen Teil gruben wir in Palloxen, die dann direkt ins Lagerhaus Lohn gingen. Dies Bedeutete für uns einen Mehraufwand, da die Kartoffeln beim Verladen in die Palloxen zusätzlich noch mit Pulver gegen das Keimen versehen werden mussten. Doch auch hier waren Erntemengen von 30 Tonnen pro Tag möglich. Der einzige Nachteil dieses Verfahrens ist, dass ein Mann mehr benötigt wird. Dieser ist somit fast den ganzen Tag damit beschäftigt, die vollen Anhänger nach Hause zu bringen, diesen zu entladen, die Palloxen in die Halle zu stapeln, den Anhänger wieder mit leeren Palloxen zu füllen und diesen schliesslich wieder auf das Feld zu bringen.

12 Aussicht des Fahrers

13 Bedienelement des Grimmeroders 75-30
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Veröffentlicht am:
01.07.2012

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Kommentare:
5

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01.07.2012 18:20
Gäuagrarier
Sibi
Gäuboden/Bayern
14.02.2011 - #13214

56
Wie kommt man dazu mit Pflegebereifung zu pflügen oder zu grubbern? Ihr habt ja scheinbar auch nicht die leichtesten Böden, und da würde ich lieber Reifen wechseln als so rumzufahren.
40-55 Tonnen pro Tag erscheint mir wenig wenn ihr die nicht abtransportieren müsst? Wir schaffen mit einer 1733 P (Einreiher) sogar auf unseren Standorten, wo normal nur 3-4 km/h gefahren wird, 70-85 Tonnen am Tag wenn wir nurnoch rundumfahren, und die werden zeitgleich zu Hause eingelagert. Wobei ich zugegebenermaßen nicht weiß wie es bei den Erträgen aussieht, die ja doch viel zur Tagesleistung beitragen.
Aber trotzdem informativer Beitrag, da wir hier kaum Steine usw. haben entfallen da bei uns schon die ersten Schritte im Frühjahr und das ganze ist deutlich weniger aufwendig.

01.07.2012 20:00
Kurbelwelle
Hans
Langenthal
14.05.2009 - #6952

112
3
hallo Gäuagrarier,

zu deinen Fragen, klar, den Flügelschaargrubber wurde nicht mit den Pflegereifen gefahren, den holte ich nur so von einem anderen Betrieb ab. Und beim Pflügen war es so, dass wir Ende April beim 6610er die Pflegereifen montiert haben für die Kratoffeln (450er/350er) und uns dann Plötzlich der Mais einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Das Bild mit Pflug und Pflegereifen war demzufolge bei der Saatbeetbereitung für Mais. Nachdem der Mais alles gelegt wurde, begannen wir dann mit der Saatbeetbereitung der Kartoffeln.
40-55 Tonnen, ist pro Tag extrem wenig. Ich habe mich im Blog falsch ausgedrückt: 40-55 Tonnen wurden an einem Morgen gegraben, da wir nur 6 Anhänger zur Verfügung haben. Somit wurden 6 Anhänger gefüllt und die dann am Nachmittag oder am nächsten Morgen abgeliefert. Es wurde einfach immer gegraben, bis die Anhänger voll waren, somit war ich auf eine Tagesleistung von 40-55 Tonnen gekommen. So ist die Situation, wenn lose gegraben wurde. Wenn wir un Palloxen gegraben haben, lag eine Tagesleistung von ca. 30-40 Tonnen pro Tag an, je nach Parzelle und Sorte.
Und noch zu unseren Böden: wir haben hier stark tonigen Lehmboden mit Lehmanteil zwischen 30-40 %.

ich hoffe es ist verständlich geschrieben und ich konnte dir weiterhelfen..!

mfg Kurbelwelle

01.07.2012 21:09
Gäuagrarier
Sibi
Gäuboden/Bayern
14.02.2011 - #13214

56
Achso, ja, an einem Vormittag passt das schon eher. Hätte mich auch stark gewundert wenn ihr nur 40-55 Tonnen am Tag bei 5 km/h geschafft hättet.
Danke für die Antworten!

01.09.2012 18:30
TheHaschmi
Hagen
Wiesloch
21.06.2012 - #16167

20
71
Was für eine Roder habt ihr ?
Schöner, interressanter Blog !

01.09.2012 21:05
Kurbelwelle
Hans
Langenthal
14.05.2009 - #6952

112
3

Zitat:

Was für eine Roder habt ihr ?
Schöner, interressanter Blog !


Besten Dank für das Lob.

Wir haben einen Grimme SE 75-30

MFG Kurbelwelle







 


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