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Kurbelwelle | Blogs | Wintergerste


Artikel Wintergerste

Allgemeines
Dieses Jahr säten wir zirka 4 Hektaren Wintergerste an. Die Gerste produzieren wir nach keinem Label, da diese ausschliesslich für Futterzwecke verwendet wird.

Säen der Wintergerste auf der Parzelle „Wynau“
Die Vorkultur auf dieser Parzelle waren Zwiebeln. Wir selber bauen keine Zwiebeln an. Diese Parzelle tauschten wir mit einem Gemüsebauer aus Niederbipp ab. Dadurch, dass im Vorjahr dort Zwiebeln waren, war die Saatbeetbereitung sehr verschleissreich und materialstrappazierend. Die Parzelle sah auf den ersten Eindruck stark verdichtet aus, doch stellte sich heraus, dass die Parzelle nicht nur verdichtet war, sondern auch extrem „käsig“. So wurde die erste Saatbeetbereitung mit dem Pflug zur Herausvorderung. Ich konnte nicht zu tief pflügen, da der Schlepper sofort begann zu wühlen. Somit musste ich so fahren, dass ich die maximale Tiefe erreichte, ohne, dass der Schlepper wühlte. Dies erreichte ich mit der Grundtiefe der Hydraulik und dem „spielen“ mit dem Aushub der Hydraulik. Sobald der Schlepper zu wühlen begann zog ich die Hydraulik kurz an. Ein weiteres Problem stellte die Hanglage der Parzelle dar. Ich begann oben mit pflügen und kehrte die Erde hangwärts. Dies führte dazu, dass der Schlepper durch den einseitigen Zug des Pfluges ständig nach unten ablief. Zum Teil versuchte ich mit gegenlenken auszugleichen, um nicht aus der Furche zu kommen. Irgendeinmal realisierte ich, dass auch die Möglichkeit bestand das Differenzial zu nutzen. Damit konnte das Abrutschen des Schleppers schliesslich minimiert werden. Danach liessen wir die Parzelle 2 Tage atmen, bevor wir dann mit dem Säen begannen. Unsere Säkombi besteht aus Rotortiller und aufgesattelter mechanischer Sämaschine. In der Fronthydraulik führen wir noch eine Cambridge-Packerwalze mit, welche sowohl auf dem Feld die groben Schollen des Saatbeets zerkleinert, als auch auf Strassenfahrt als Gegengewicht zur Säkombi dient, da diese durch den Rotortiller sehr schwer ist. Ich begann wieder am Hang mit säen. Wir säten auf dieser Parzelle die Sorte Fridericus mit einem Tausendkorngewicht von 48. Dabei stellten wir die Sämaschine vorgängig auf ein Gewicht von 200 Kilogramm pro Hektare ein.

Dies ist für Wintergerste eher ein bisschen viel, doch machten wir dies, weil wir erst Ende Oktober säten. Der Zeitpunkt der Saat war somit eher spät. Der Reihenabstand bei der Saat betrug 11.5 cm und die Tiefe der Saat etwa 2 cm.

2 Sägespann

Wie man auf Bild 2 erkennen kann, ist der Schlepper, mit dem gesät wurde, ein Sechszylinder. Der Schlepper kam mit der Säkombination sehr gut zurecht, hatte genügend Power, büsste aber in der Wendigkeit deutlich ein gegenüber einem Vierzylinder. Da ich aber zirka 80 Prozent mit dem Sechszylinder unterwegs bin, war die Wendigkeit für mich kein Problem und ich kam sehr gut mit dem Gespann klar.
Das Pfluggespann, wie man auf Bild 3 sieht, ist dagegen ein Vierzylinder. Dies stellt sich beim Pflügen als sehr gut heraus, da der Schlepper mit den schwenkbaren Kotflügeln sehr wendig ist. Der Schlepper Kam mit dem Vierschaarpflug sehr gut zurecht und auch der Schlupf hielt sich in Grenzen.

3 Pfluggespann

Waschen der Säkombi
Nachdem alles gesät wurde, war es an der Zeit, die Säkombi für den Winterschlaf bereit zu machen. Zuerst wurde die komplette Kombi gründlich gewaschen: Walze, Rotortiller und auch Sämaschine. Dies dauerte seine Zeit, da auf der Packerwalze des Rotors der lehmige Boden aufgewickelt hat. Nach zirka 3-4 Stunden war das Waschen erledigt. Nach dem Waschen wurden noch diverse Teile ersetzt.
4 Striegel der Sämaschine mussten ersetzt werden und alle Abstreichbleche der Packerwalze des Rotortillers mussten gedreht werde, da diese auf der einen Seite arg verschlissen waren. Danach schweisste der Chef noch einen Sicherheitsbügel für die Rotorwalze wieder an. Ich schmierte die ganze Kombination ab und spritzte sie dann komplett mit Rostschutz ein. Am Schluss wurde die ganze Kombination unter das Vordach des Schweinestalls gestellt und abgehängt.

4 Abstreichbleche der Packerwalze des Rotortillers

5 Striegeln der Sämaschine

Beobachtungen im Herbst
Als ich im Herbst über die Felder ging fielen mir diverse Unterschiede der einzelnen Felder auf: Nicht auf allen Feldern ist die Wintergerste gleich schön aufgelaufen und auch die Farbe unterscheidet sich. Die Gründe dafür könnten folgende sein. Als erstes würde ich sagen, dass es damit zu tun hat, dass nicht jedes Feld die identische Vorkultur hatte. Der zweite Grund, warum nicht alle Felder identisch aussehen, ist, dass nicht alle Saatbeete gleich aussehen.
Parzelle Wynau
Auf der Parzelle „Wynau“, wo vorher Zwiebeln waren, entstand ein sehr kompaktes Saatbeet. Die Krümelung war sehr fein, und dennoch war die Parzelle ‚käsig‘. Das Anwalzen des Saatgutes machte das Saatbeet kompakt, aber die Struktur veränderte sich nicht. Ich beurteilte auch noch, wie ich die Parzelle gesät hatte und da bemerkte ich noch grosses Potenzial: Das Anschlussfahren am Hang gelang mir nicht immer so, wie ich mir das wünschte und es entstanden sofort zwischen den Reihen ca. 10-15 cm Distanz. Was mich aber auf dieser Parzelle am meisten ärgerte, war, dass ich einen Spickel beim Abkehren der Parzelle vergass. Aber im Grossen und Ganzen war die Leistung für die ersten 2 Hektaren akzeptabel.

6 Der vergessen geratene Spickel

7 Das doppelt gesäte Vorgewende

Parzelle Stalden
Auf der Parzelle „Stalden, wo vorher Kartoffeln waren, hatte das Saatbeet fast Keine Struktur und die Krümmelung war fast nicht vorhanden. Die Parzelle war nach dem Säen sehr hart und kompakt. Dadurch dass die Bodenstruktur sehr bescheiden ausfiel, war die Staubelastung beim Anwalzen des Getreides dort extrem. Doch das Saatbeet war für diese Verhältnisse gut gelungen und auch das aufgelaufene Getreide sah gut aus. Auf dem Bild Nummer acht sieht man zudem, dass das Feld etliche Steine beherbergt.

8 Parzelle Stalden

Parzelle Matte
Auf der Parzelle ‚Matte‘ war wieder ein komplett anderes Bild. Das Feld hat eine Hangneigung und ist zudem eines der nässesten Felder. Ich begann bei diesem Feld unten mit säen. Dies hatte den Vorteil, dass bei der Neigung das Abdriften der Säkombi eine optimale Reihenschliessung zur Folge hatte. Auch hier war die Vorfrucht Kartoffel und es sah in etwa gleich aus wie auf der Parzelle ‚Stalden‘. Der Unterschied war allerdings, das die Parzelle ‚Matte‘ um einiges weicher war als im ‚Stalden‘. Das Problem war allerdings, dass die Parzelle ‚Matte‘ weiter oben immer feuchter wurde und somit brachte ich es fast fertig, die ganze Kombination zu versenken. Zum Glück war aber der Chef gerade vor Ort, der mir mit Fahranweisungen aus der brenzligen Situation half.
Parzelle Schalenwerk
Auf der Parzelle, „Schalenwerk“, wo vorher Körnermais war, sah das Saatbeet annähernd perfekt aus. Die Krümmelung war sehr gut, der Boden nicht zu trocken und nach der Bearbeitung durch den Rotortiller führten wir den „Fünflibertest“ durch. Dabei sah ich, dass auch noch grössere Erdklumpen als ein Fünfliber auf der Parzelle reichlich vorhanden geblieben sind.

10 Saatbeet auf der Parzelle Schalenwerk

Beobachtungen um Frühling
Das Getreide kam auf allen Parzellen erstaunlich gut über den Winter. Es waren keine Erfrierungen oder Pflanzenschäden zu erkennen.
Nach der ersten N-Gabe im Getreide merkte man aber deutlich die Unterschiede auf den einzelnen Parzellen. Auf der Parzelle war der Bestand jetzt schon extrem grün, was auf eine Stickstoffüberdüngung hinweist. Auf den übrigen Parzellen war es dasselbe Bild. Es bildeten sich dünne Streifen, bei denen Doppelt gestreut, beziehungsweise überstreut wurde und auf der anderen Seite war das Getreide heller. Der Grund für dieses Bild ist, dass wir die Umstellung mit dem Düngerstreuer von 15 Meter auf 24 Meter wagten, um die gleichen Fahrgassen mit der Spritze zu nützen. Doch bei 24 Meter Arbeitsbreite macht der Wind einiges aus! Somit ist vorallem das Flugverhalten bei feinem oder geprilltem Dünger ganz anders.
Bei der zweiten N-Gabe war es für mich schwierig die Fahrgassen zu finden, da das Getreide in den Fahrgassen wieder aufgestanden ist. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass wir ohne Fahrgassenschaltung säen, da der Verlust mit unserem John Deere 6320 und 270er Bereifung im Bestand genau 2 Reihen ausmacht. An diesem Tag wollte auch der GPS-Empfänger nicht so wie ich es wollte und so war ich gezwungen die Reihen zu zählen, was bei 24 Meter Arbeitsbreite nicht gerade einfach ist. Doch zum Schluss ging alles so wie es musste.
Nach der zweiten N-Gabe sah man die überdüngten Streifen nun deutlich!
Statistik
Veröffentlicht am:
24.06.2012

Aufrufe:
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13

Kommentare:
4

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01.07.2012 08:18
[Inaktives Mitglied]
Sehr interessant.

01.07.2012 15:18
Kurbelwelle
Hans
Langenthal
14.05.2009 - #6952

112
3
Besten Dank Jonathan..!

01.07.2012 21:41
Thomas1990


10.02.2008 - #3901

335
Echt mal was anderes und interessant zu lesen

04.07.2012 19:35
Kurbelwelle
Hans
Langenthal
14.05.2009 - #6952

112
3
besten Dank Thomas..!







 


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