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cleveland
Thomas
Teterow / Brisbane
26.02.2006 - #808
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cleveland | Blogs | Logistik einer 62.000 Hektar Herbstbestellung


Artikel


Im Mai 2010 hatte Ich die Gelegenheit mir die Weizenaussaat auf einer großen australischen Getreidefarm anzuschauen. Insgesamt hatte die Farm ein Weizenprogramm für 2010 von rund 62000 Hektar. Die Farm hat zwei Betriebsteile, die einige Kilometer auseinander liegen, somit können auf Grund der Breite der Maschinen diese nur auf dem jeweiligen Betriebsteil eingesetzt werden. Um es noch einmal deutlich zu machen, diese breiten Maschinen werden nur auf privaten Farmwegen bewegt und sehen nie eine öffentliche Straße. Die einzige Ausnahme ist die Überquerung der Straße wenn die Farm auf beiden Seiten Flächen hat. Der südliche Farmteil hatte ein Weizenprogramm von 27.000 Hektar zu erledigen und der nördliche ein Weizenprogramm von 35.000 Hektar. Die Farm baut auch noch andere Sachen an, wie Baumwolle und Erbsen und hat noch große Teile Weideland die bisher noch nicht für den Getreideanbau genutzt werden.

Eingesetzte Maschinen der Farm:
- John Deere 9630T mit 160ft Multifarming Systems planter und 15000 Liter Simplicity Airseeder
- John Deere 9620T mit 2x 60ft Janke planter und 17000 Liter Simplicity Airseeder
- Case IH STX 440 mit 2x 47ft Gason planter und 2x 5000 Liter Gason Airseeder
- Case IH STX 450 mit 80ft Gessner planter und 12000 Liter Simplicity Airseeder
- Case IH STX 500 mit 2x 40ft Janke planter und 17000 Liter Simplicity Airseeder
- Case IH STX 500 mit 2x 40ft Janke planter und 12000 Liter Simplicity Airseeder
- Case IH STX 500 mit 80ft Gessner planter und 12300 Liter Bourgault Airseeder
- John Deere 8520 mit 30 Tonnen DFE Ueberladewagen
- Mehrere John Deere 8320 mit 80ft K-Line Walzenkombinationen
- Mehrere Trucks für Saatgut- und Dieseltransporte
- Jede Menge Utes für die Mitarbeiter und Mechaniker

Maschinen von Lohnunternehmen:
- Case IH 4420 Patriot selbstfahrende Spritze mit 36m Gestänge
- John Deere 8420 mit 36m Anhaengespritze
- Goldacres selbstfahrende Spritze mit 27m Gestänge
- Wasser- und Spritzmitteltrucks



Gegen die 27.000 Hektar auf dem südlichen Farmteil kämpften 3 Case IH STX (440, 450 und 500) mit zusammen 254ft (77.5m) Arbeitsbreite an sowie die selbstfahrende Case IH Spritze. Auf dem nördlichen Farmteil waren die zwei JD Raupen (9630T und 9620T) sowie 2 Case IH STX 500 mit zusammen 440ft (134m)Arbeitsbreite dabei die 35.000 Hektar zu bestellen und die zwei Spritzen (Goldacre und JD 8420) leisteten die Vorarbeit.

Das gesamte Programm wurde in 20 Tagen erledigt, gearbeitet wird im 24 Stunden Schichtbetrieb mit 2 Fahrern pro Maschine. Das Auffüllen der Maschinen mit Saatgut und Diesel sowie kleine Reparaturarbeiten wenn nötig dauert rund 45 – 60 Minuten beim Schichtwechsel, somit kommen die Drillen auf eine tägliche Einsatzzeit von 22 - 22.5 Stunden. Die Tagesleistung der 7 Maschinen zusammen beträgt je nach Schlaggröße rund 3000 – 3500 Hektar am Tag oder 140-160 Hektar pro Stunde. Fahrgeschwindigkeiten hängen stark von der Saattiefe, den Reiheabständen und der Arbeitsbreite ab und natürlich der Zugmaschine davor. Die kleineren Maschinen sind durchaus für Geschwindigkeiten bis 15km/h ausgelegt, aber das schaffen die Traktoren nicht mehr wenn man zwei Maschinen zusammenhängt mit dem Zugrahmen. Die STX haben alle einen Chip drin, somit hat die Nummer auf der Motorhaube nichts mehr mit der aktuellen Leistung zu tun, die müssten alle deutlich über 500 PS liegen. Als ich vor ein paar Jahren noch selbst eines der Gespanne bewegt habe, hatten wir nur eine Maschine (12.5-14.5m) hinter den Case IH 9380QT’s mit rund 400PS. Die waren in der Lage eine Fahrgeschwindigkeit von 13-15km/h zu erreichen ohne größere Probleme mit den Drillen. Mit doppelter Arbeitsbreite hinter den STX ist bei 8-9km/h Schluss. Rund 150PS mehr mit doppelter Breite und das alles nur 5km/h langsamer, hier zeigt sich das Sparpotenzial der großen Drillen. Auf dem Südteil haben wir damals mit 5 Maschinen rund 30 Tage gebraucht um die 27000 Hektar zu bestellen, jetzt machen sie es mit 3 Maschinen in unter 3 Wochen.

Die Logistik der ganzen Aktion ist schon beachtlich, um alles am Laufen zu halten. Rund 90 Tonnen Saatgut am Tag oder fast 1600 Tonnen über die 3 Wochen müssen zu den Maschinen transportiert werden. 3 LKW’s und ein Überladewagen waren damit beschäftigt.

Der Dieselverbrauch der Monster und der Transport beschäftigen auch ein paar Leute. Die Steiger und JD Raupen haben über 1000 Liter Dieseltanks und somit reichen die auch für die 11 stunden Dauerbetrieb zwischen den Schichtwechseln. Wenn die Fahrer es ein wenig zu gut meinen oder der Boden richtig trocken ist, dann verbrauchen die Steiger auch mal schnell bis zu 100Liter pro Stunde und die durstigen Hirsche nehmen auch schnell bis zu 120 Liter pro Stunde. Dann wird es knapp und es muss schon mal am Tag nach getankt werden. Alles zusammen verbrauchen die 7 Drillgespanne zwischen 14000-15000 Liter Diesel am Tag. Bei knapp 20 Tagen sind das fast 300.000 Liter für die Weizenbestellung.

Bei 20 tagen Dauereinsatz ist mindestens ein Service fällig, um so wenig wie möglich Zeit zu verlieren erfolgt der Service direkt auf dem Feld. Mechaniker der Farm kommt mit der Ute und den Teilen aufs Feld gefahren und mit dem Fahrer zusammen ist der Service (Öl und einige Filterwechsel) in 30 Minuten erledigt und es geht weiter. Jeder Farmteil hat einen Mechaniker, der ansonsten für schnelle Reparaturen und andere Logistiksachen zuständig ist. Normalerweise fahren sie Saatgut oder transportieren Diesel zu den Fahrzeugen. Das gleiche Schicksal trifft den Farmmanager, der auch Saatgut oder Diesel bewegen muss. Manager und Mechaniker haben die längsten Arbeitstage, da sie ja beide Schichtwechsel mitmachen müssen. Die Fahrer haben 13h Tage, der Manager und der Mechaniker 15-16 Stunden.

Eine Menge Personal ist erforderlich, damit es rund läuft. 14 Fahrer für die Drillmaschinen, jeweils 3 Leute(Manager und 2 Mechaniker) pro Farm für den Transport von Saatgut und Diesel, 6 Leute für die Walzen Kombinationen (3Maschinen im 24 Schichtbetrieb) und das Lohnunternehmen bringt einiges Personal für die Spritzen und LKW’s. Die Manager, Mechaniker und einige Fahrer sind Stammpersonal der Farm und sind das ganze Jahr dort beschäftigt, der Rest der Fahrer sind Saisonkräfte. Dieses Jahr hatten sie Probleme ausreichend Aushilfen zu bekommen, so dass die Walzenkombinationen wegen Fahrermangel nicht genutzt werden konnten. Die vorhandenen Aushilfen waren eine bunte Mischung, aus lokalen Arbeitskräften von anderen Betrieben außerhalb der Landwirtschaft, die für die 3 Wochen einspringen, einige LKW Fahrer der eigenen Spedition, Backpacker aus Europa, das Kindermädchen des Farmers und Ihre deutsche Aushilfen. Der Farmer ist richtig happy mit den deutschen Mädels, nach dem Sie in der Ernte schon fleißig Überladewagen gefahren haben, hat er Sie für die Bestellung nochmals ermutigt den Urlaub zu unterbrechen. Die Auszeit nach dem deutschen Abi endete dann im australischen Outback mit 600PS unterm Hintern und abends dann auch noch den Kindern die Gutenachtgeschichte vorlesen.

Ein paar ackerbauliche Fakten:
- Jahresniederschlagsmenge so um die 500-550mm
- Aussaatmenge liegt so bei 23-25kg pro Hektar
- Reihenabstände je nach Bodenart zwischen30 – 50 cm
- Saattiefe richtet sich nach der noch vorhandenen Bodenfeuchtigkeit, war dieses Jahr schon ziemlich weit ausgetrocknet so dass sie auf 25cm Tiefe gedrillt haben, ansonsten liegt die Tiefe bei rund 15cm.
- Ein paar Tage vor der Aussaat wird die gesamte Fläche mit Roundup behandelt, das Feld liegt seit der Ernte im November bis zur Aussaat im April/Mai brach. Stoppelbearbeitung wird nicht durchgeführt, wenn die Stoppel zu lang sind so das sich bei der Aussaat Haufen schieben könnten, wird diese Fläche kurz vor der Aussaat mit der Mulchchain bearbeitet. Dies sind aber meistens nur kleine Teile der Flächen.

Webseiten der Maschinenhersteller:
Simplicity webseite

Janke Webseite

Gason Webseite

Gessner Webseite

Multifarmingsystems webseite

K-Line webseite

Kelly Engineering webseite

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Veröffentlicht am:
28.04.2012

Aufrufe:
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Kommentare:
5

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28.04.2012 13:48
klyer_lw
Robin
Coesfeld
02.01.2009 - #5549

110
Das ist echt eine beachtliche Leistung die die dort vollbringen, respeckt!
Danke dir für diesen sehr informativen Blog !
Lg

28.04.2012 21:30
Spargel
Marcus
Gräfenhausen
11.08.2008 - #4654

3.597
8
1
Versteh ich das richtig, das die die Körner bis zu 25 cm vergraben? Da kommt doch kein keim mehr durch?

Die Laden doch aber bestimmt mehr mals pro Schicht Saargut, oder versteh ich da was falsch?

02.05.2012 04:19
Lucky
christian
wiesloch
08.02.2009 - #6050

324
Das sind ja mal beeindruckende Zahlen.
Sehr informativer Blog,weiter so.

26.05.2012 08:56
cleveland
Thomas
Teterow / Brisbane
26.02.2006 - #808

5.157
5
Das mit den 25cm stimmt schon, es geht hier darum das die Koerner in einer Tiefe abgelegt werden wo noch Bodenfeuchtigkeit zum keimen vorhanden ist. Bei einer saatgutmenge von rund 20-25kg pro hektar kommste mit 15-17m3 Volumen schon ein bisschen. Mit dem 12000L wagen machste so 450 Hektar.

16.08.2012 12:23






 


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