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cleveland
Thomas
Teterow / Brisbane
26.02.2006 - #808
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cleveland | Blogs | Neuer vollautomatischer Baumwollernter John Deere 7760


Artikel


In 2010 hatte Ich die Gelegenheit einen diesen neuen Baumwollernter aus der Nähe zu besichtigen. Die Maschinen werden offiziell erst seit diesem Jahr auf dem Markt angeboten, aber die ersten Prototypen laufen schon seit 2008 hier in Australien und in den USA. Der Chef von John Deere hat bei der Vorstellung der Maschine die Entwicklung als eine der wichtigsten Errungenschaften in der Landtechnik seit 25 Jahren bezeichnet. Das neue Ernteverfahren mit den Rundballen vereinfacht die Ernte enorm, nun ist alles mechanisiert und erhöht die Leistungsfähigkeit der Erntekolonnen.
Das alte Ernteverfahren mit den alten Erntemaschinen mit dem großen Korb zum auf fangen der Wolle war immer noch recht personalintensive.
Im genauen funktioniert es wie folgt:
- 4 oder 6 reihige Erntemaschine (je nach Ertrag und Feldlaenge wurden die unterschiedlichen Maschinen eingesetzt)
- Es kam ein Ueberladewagen (sogenannter Boll Buggy) zum Einsatz um die Wolle von den Erntemaschinen zum Feldrand zu transportieren. Ein Ueberladewagen kann 2 Picker bedienen, wenn alles gut laeuft auch 3. Meistens laufen in einer Lohnunternehmertruppe dann 5 Picker mit 2 Boll Buggies.
- Am Feldrand stehen dann die ‘Module Builder’, das sind die Maschinen die die geerntete Wolle verdichten und dann die rechteckigen Transportballen formen. Je nachdem wie gut man die Ballen verdichten will, braucht man dann entsprechend viele Module Builders.1 bis 2 Pressen sind schon notwendig um einen Picker am laufen zu halten. Die Anzahl stinkt dann aber wenn mehrere Picker zum Einsatz kommen. 4-6 pressen sind dann die Grenze für eine Crew von einem Lohnunternehmen.
- Nachdem der Ballen fertig geformt ist, wird hinten die Tür geöffnet und der vorgehängte traktor zieht die Presse weg vom Ballen und parkt die presse dann wieder in die Reihe für den nächsten Ballen. Die alten pressen laufen mit Zapfwellenantrieb, die neueren haben einen Aufbaumotor fuer die Hydraulik, brauchen aber trotzdem einen Traktor für den Transport auf dem Feld und den Straßen Transport.
- Als letzten Schritt am Feldrand muss der Lohnunternehmer die fertigen Ballen noch abplanen, damit es nicht rein regnet. Baumwolle ist wie Heu, wenn das nass zusammen gepresst wird, fängt das innen an zu kochen und das Teil brennt ab. Jeder ballen hat den Wert eines Kleinwagens, somit sollte das nicht zu oft vorkommen oder das Lohnunternehmen bekommt Probleme mit dem Farmer. Am Boden braucht der Lohnunternehmer dann noch mindestens eine Arbeitskraft pro Presse für die Bedienung, das abplanen und das regelmäßige umsetzen der Pressen.
Alles zusammen kommt die Truppe dann schnell auf 10-15 Leuten, je nachdem wie viele Picker im Einsatz sind. Die müssen ja alle irgendwo untergebracht und versorgt werden. Dann kommt also noch ein Koch und 1-2 Mechaniker dazu und man ist schnell bei 20 Leuten. Das alles beinhaltet ja noch nicht mal den Abtransport der Ballen, das macht dann ne Spedition.
Die Transportballen sind so rund 12m lang, damit Sie auf die normalen LKW Anhänger passen und wiegen je nach verdichtungsaufwand 10-12 Tonnen. Aufgenommen werden die Ballen entweder von einer speziellen Maschine mit einem Kratzboden der den Ballen langsam aufnimmt während die Maschine unter den Ballen fährt oder es gibt spezielle LKW Auflieger die einen eigenen Kratzboden haben und das Heck absenken können. Diese Spezialaufieger können den Ballen alleine aufnehmen. Diese werden aber nur eingesetzt, wenn die Entfernung zur Aufbereitungsfabrik (Cotton Gin) nicht allzu weit ist. Ansonsten sonst man die Spezial Maschine und verlädt die Ballen auf Roadtrains mit 2 Anhängern um Transportkosten zu sparen.
Vor ein paar Jahren kam Case IH mit einer neuen Version des Baumwollernters heraus, der die geerntete Wolle schon auf der Maschine presst und kleinere Module fertigt. Dieses System spart also den Ueberladewagen und die Pressen am Feldrand. Das System hat sich nicht durchsetzen können, da es immer noch einiges an Personal benötigt und die Maschine recht teuer war.
Es scheint so zu sein, dass John Deere sich das ganze genau angeschaut hat und zur Schlussfolgerung gekommen ist, dass sie ein anderes System entwickeln müssen.
In 2008 waren dann die ersten Prototypen fertig und da Australien ein wichtiger Markt für Cotton Picker ist, haben Sie auch eine Maschine noch Down Under zum Testen verfrachtet. Die Maschine die Ich im Mai besichtigt habe, war einer dieser ersten Prototypen und läuft bei einem der größeren Baumwollbetriebe hier. Inzwischen haben Sie drei von den Dingern im Einsatz und werden wohl nächste Saison komplett umstellen.
Die Maschinen sind nicht billig, je nach Ausstattung biste mit 500.000 bis 550.000 Euro dabei, aber die Kostenersparnis für Personal und die anderen Maschinen scheint es wirtschaftlich zu machen. 1-2 dieser 6 reihigen Rundballenpressen schafft so viel wie sonst eine dieser Lohnunternehmerkolonnen. Der Personalbedarf reduziert sich also von 10-15 auf 2-3 gut qualifizierten Leuten.
Nun zur Maschine selbst, gefahren hat das teil wie ja hier schon fast üblich ein Backpacker aus Europa. Der Maschinenbaustudent aus Frankreich war besser geeignet als die lokalen Arbeitskräfte, das Teil zu bedienen. Die Maschine hat mehr Computer als man sich vorstellen kann, alles läuft automatisch. Der Fahrer muss nur auf Fehlermeldungen des Computers regieren und entscheiden ob er eingreifen sollte oder nicht, hängt von der Alarmstufe ab. Meistens sind es Verstopfungen, die zum Eingreifen zwingen, da das Teil zu schnell unterwegs ist.
Da es ja einer der ersten Protostypen ist, kommen die Entwicklungsingenieure von John Deere regelmäßig vorbei um sich um Ihr Baby zu kümmern. In der Kabine kamen überall Kabel aus der Konsole wo die Jungs aus Amerika ihre Laptops anschließen und in der Kabine selber hing ein versiegelter Datenrekorder von John Deere. Bei größeren Probleme müssen sich die Mechaniker der Farm erst eine Genehmigung von John Deere holen, bevor sie Reparaturen begingen können. Handynummer der John Deere Leute klebte an der Frontscheibe.
Die Maschine hatte in der 2010 Saison schon über 2500ha geerntet ohne größere Probleme und hat in den drei Jahren schon über 2000h gelaufen. 7-8 Maschinen liefen in 2010 in Australien und die Farmer sind begeistert und John Deere hat wohl schon über 20 Bestellungen für die Ernte in 2011. Case hat jetzt ein Problem und muss wohl nachziehen oder der Zug ist weg. Lokale Unternehmen haben schon Zubehör wie Ballwagen und anderes entwickelt, was die Produktivität der Maschine noch erhöht und die meisten Cotton Gins begingen ihre Anlagen auf Rundballen umzustellen.

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John Deere Webseite

CASE IH Webseite
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Veröffentlicht am:
17.04.2012

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Kommentare:
6

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17.04.2012 18:58
Lippetaler
Bjoern
Lippetal
04.08.2011 - #14288

296
1
Spitzen Blog!

19.04.2012 08:09
Mr. M
Moritz
Wolfsburg
07.03.2010 - #10256

182
1
Moin,
interessanten Beitrag hast Du da verfasst, aber ich habe maleine Frage, da ich mich auch ganz gut mit der Baumwollernte auskenne, was den Ablauf betrifft, würde mich mal interessieren wieso ich wie Du schreibst durch diese neue John Deere Maschine so viel weniger Personalaufwand habe? Früher wurde die Baumwolle von "Überladebunkern" vom Picker zum Modulformer gebracht. Jetzt mit der neuen Maschine geschieht das doch nur ein einer anderen Form, sprich die Baumwolle ist zu Rundballen gepresst. Aber anscheinend muss ich die ja trotzdem, noch ins Modul bringen. Somit ist das doch noch arbeitsaufwendiger?
Früher haben die Bunker Ihre Baumwolle einfach in den Modulformer gekippt. und jetzt brauche ich noch einen der die Folie aufmacht und das Teil irgendwie zerkleinert und in den Modulformer verfrachtet. Ist das so oder habe ich das System nicht verstanden? Hierdurch würde ja auch eine Menge Müll entstehen in Form von der Folie, die man nur braucht um den Ballen vom Picker zum Modulformer zu bringen.
Wenn die rundballen direkt auf LKWs geladen werden würden und abtransportiert würden würde das was bringen. Aber so sehe ich da eher einen Mehraufwand drin?
Mfg

Moritz

19.04.2012 11:20
cleveland
Thomas
Teterow / Brisbane
26.02.2006 - #808

5.157
5
Wie du auf den anderen Bildern sehen kannst, gibt es bei diesem Verfahren keinen Module builder mehr. Die Rundballen gehen so wie sie aus der Maschine kommen zur Gin. Daher kommt die Personaleinsparung. Inzwischen gibt es schon Ballenanhaenger fuer den Picker, somit braucht den Sammeltrecker nun auch nicht mehr.
Um es noch mals zu verdeutlichen, beim alten Verfahren hatte man den Picker, Ueberladewagen, Module Builder und die Specialmaschine um die Module zu verladen und Transport LKW's. Nun brauchts du nur noch einen Picker und Transport LKW.

19.04.2012 11:46
Mr. M
Moritz
Wolfsburg
07.03.2010 - #10256

182
1
Ahso, dann habe ich das falsch gelesen, in Deiner Beschreibung liest es sich ein bißchen so, dass die Modulformer trotzdem am Feldrand stehen.
Aber so wie Du es jetzt schreibts, machts natürlich Sinn.

19.04.2012 11:46
21.04.2012 10:56
Mehringer
Nino
Aschersleben,Sachsen-Anhalt
08.02.2012 - #15548

Es ist ein sehr aufschluss reicher Blog hast du sehr gut geschrieben und erklärt.







 


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