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Biogaserer | Blogs | Energiepflanzen-Blog Teil I -Blühstreifen-


Artikel

Warum dieser Blog?



Seit dem Jahr 2012 beschäftige ich mich nun intensiver mit alternativen Energiepflanzen und auch deren Wirkung in der Öffentlichkeit. Dass es nicht immer unbekannte, exotische und neue Pflanzen sein müssen, um nachhaltigen und umweltverträglichen Energiepflanzenanbau zu betreiben möchte ich in diesem Blog einmal darstellen.
Derzeit sind drei Abschnitte geplant, die sich in unterschiedliche Themenbereiche aufteilen. Ich möchte auch nicht irgendwelche theoretischen Inhalte wiedergeben, sondern beschreiben wie ich diese Thematik auf unserem landwirtschaftlichen Familienbetrieb bisher umgesetzt habe.
Ich werde von meinen praktischen Erfahrungen berichten und kann daher keine Vollständigkeit gewährleisten.

I. Blühstreifen



Beginnen möchte ich mit dem Thema Blühstreifen am Feldrand. Hierzu gibt es verschiedene Aktionen wie z. B. vom Fachverband Biogas (http://www.farbe-ins-feld.de/), dem Bayrischen Bauernverband (http://www.bayerischerbauernverband.de/bluehende-rahmen) oder dem Bayrischen Jagdverband (http://www.jagd-bayern.de/formulare-bluehflaechen.html). Alle diese Aktionen versuchen neben der Hilfestellung bei Saatgutbeschaffung und Anbau auch die Wirkung auf die Öffentlichkeit zu verbreiten.

1. Ziel



Das primäre Ziel der Blühstreifen ist nicht die Biomasseproduktion sondern der Umweltaspekt sowie die optischen Gründe. Somit ist der Anbau aus wirtschaftlicher Sicht nicht unbedingt sinnvoll. Aber die beiden Aspekte Umwelt und Optik sind in diesem Fall nicht zu vernachlässigen.

2. Anbautechnik



2.1 Standort
Die Standortansprüche spielen bei den Blühstreifen primär keine Rolle, es gibt sowohl für trockene, als auch für feuchte Standorte entsprechende Saatgutmischungen. Viel wichtiger ist die Frage nach dem richtigen Standort in Bezug auf die Wirkung nach außen. Ein Hauptgrund für den Anbau bei uns ist die positive Wirkung auf die Öffentlichkeit.
Bei der Standortwahl habe ich darauf geachtet, dass sich die Streifen in der Nähe von viel befahrenen Straßen oder besser noch Wanderwegen befinden. Auch ein Hinweisschild was hier wächst oder warum hier diese Streifen angelegt werden habe ich aufgestellt.
Auf unserem Betrieb habe ich die Streifen an Mais- bzw. Zwischenfruchtbeständen angelegt.

2.2 Bodenbearbeitung
Die Bodenbearbeitung habe ich (bei den Maisfeldern) zeitgleich und genauso wie für die restliche Fläche durchgeführt. Im Frühjahr wurde die abgefrorene Winterbegrünung (meistens Ölrettich/Senf Gemenge) mit Grubber oder Scheibenegge einmal tief und einmal flach bearbeitet und war anschließend Saatfertig. Zur Aussaat wurde nur bei den Blühflächen nochmal mit der Kreiselegge eine Bearbeitung durchgeführt. Was ich gerne bei der pfluglosen Aussaat mache, ist das einmalige „um den Acker pflügen“. Ein positiver Effekt dabei ist, dass sich die grüne Brücke zwischen Feld und Feldrand leicht unterbrechen lässt, ein weiterer ist eine saubere Furche/Abgrenzung zur Feldgrenze.
Bei der Aussaat muss auf ein feinkrümeliges, gut abgesetztes und unkrautfreies Saatbett geachtet werden.

2.3 Aussaat/ Saatgut
Als Saatgut habe ich zwei verschiedene Gemenge ausprobiert. In 2014 war es die Mischung „Visselhöveder Insektenparadies“ und in 2015 war es eine „Artenreiche Blühmischung“ eines regionalen Saatgut Vertriebs (http://www.andreae-saaten.de/produkte/produkte-detail/detail/pdf//humus-pro-bluehmischung/). Da ich ein großer Fan von Sonnenblumen bin, habe ich die Saatmischungen (in denen Bereits Sonnenblumen enthalten sind) noch mit weiterem Sonnenblumen- Saatgut aufgemischt.
Bei der Aussaat (Saatzeit, -stärke, -tiefe, Saatbeet) habe ich mich an das Merkblatt der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern (LfL Bayern) bzw. an die Empfehlung des Saatguthändlers gehalten.

  • Saatzeit: Mitte Mai, ca. 2-3 Wochen nach der Aussaat von Mais. Die Streifen haben bei mir eine Breite von 3-6 Meter, diese Fläche wurde bei der Maissaat einfach frei gelassen. Zum Einsatz kam unsere mechanische Aufbaudrille von Maschio/ Gaspardo (Dama 300) mit Doppelscheibenschar und Andruckrolle. Durch die ungleichmäßigen Saatgutgrößen wurde nicht mit der Feinsäeinrichtung, sondern mit der Standardeinstellung gearbeitet, was das genaue abdrehen schon etwas schwierig macht. Man sollte also mit ausreichend Saatgut rechnen oder wie in den Empfehlungen Sojaschrot oder ähnliches unter das Saatgut mischen.

  • Saatstärke: 25- 28kg/ha; Saattiefe 1-3 cm. Ich habe mit der Saattiefe etwas variiert und dabei festgestellt, dass bei unterschiedlichen Saattiefen auch unterschiedliche Pflanzen (in den Mischungen sind Licht- und Dunkelkeimer enthalten) aufgehen. Selbiger Effekt tritt auch bei verschiedenen Bodenverhältnissen (Bodenart, -feuchte, -verdichtung, …) auf.


2.4 Pflege/ Düngung/ Pflanzenschutz
Wenn die Streifen dann einmal (sorgfältig) angelegt sind, kann man eigentlich beim Wachsen zusehen und muss nicht mehr viel Zeit in die Kultur investieren. Düngung und Pflanzenschutz entfallen komplett. Beim Pflanzenschutz der Hauptkultur am Feld (in meinem Fall Mais) muss unbedingt darauf geachtet werden dass keine Wirkstoffe an die Pflanzen des Blühstreifens kommen. Ein kleiner, unfreiwilliger Versuch im ersten Jahr zeigte, dass nach der Herbizidbehandlung im Mais mit TASK plus Motivel faktisch kein Blühstreifen mehr vorhanden ist.

2.5 Die Blüte
Die unterschiedlichen Kulturen in den Mischungen wachsen unterschiedlich schnell, erste Pflanzen (meist Lichtkeimer wie Phazelia oder Senf) etablieren sich schnell und auch die ersten Blüten lassen nicht lange auf sich warten.
Insgesamt hat der komplette Blühstreifen eine sehr lange Blühdauer von mindestens 8 Wochen, dabei kommen fast täglich neue, in Form und Farbe verschiedene, Blüten hinzu. Diese Blütenpracht schätzen nicht nur die Passanten die daran vorbei gehen oder fahren, sondern auch die Insekten nutzen dieses Angebot reichlich.
Im Vergleich mit einem „sterilen“ Getreidefeld ist es wirklich beeindruckend wie es in dem kleinen Streifen „summt und brummt“.

2.6 Nach der Blüte
Die Streifen wurden im Zuge der Feldrandpflege einfach mit abgemulcht. Im Anschluss wurden die Felder gepflügt und mit Wintergetreide bestellt. Im Folgejahr konnte kein signifikanter Unterschied zur restlichen Fläche in Bezug auf Vorfruchtwirkung, Unkrautdruck und Bestandesentwicklung festgestellt werden.


3. Förderung


Wie man in meine Ausführungen erkennen kann, ist doch ein gewisser Aufwand mit dem Anlegen und der Pflege der Blühstreifen verbunden. Da es keinen (kaum) einen wirtschaftlichen Ertrag gibt, kann man den Aufwand über verschiedene Förderprogramme abmildern.

Unter anderem sind hier zu erwähnen (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Nutzung der Blühstreifen als ökologische Vorrangfläche im Zuge des Greenings. (övF Faktor 1,5)
  • Förderung der Maßnahmen durch das KULAP (Maßnahme B47 – Jährlich wechselnde Blühflächen - 600 ¤/ha Blühflächen oder Maßnahme B48 – Blühflächen an Waldrändern und in der Feldflur - 600 ¤/ha Blühflächen)
  • Weitere Fördermöglichkeiten z.B. „Blühende Rahmen“ vom Bayrischen Bauernverband oder über den Bayrischen Jagdverband


Auch ein Gespräch mit dem örtlichen Imkerverein oder dem Jagdpächter kann für die Umsetzung und die Kostendeckung von Vorteil sein. Weiterer positiver Effekt, man erreicht die richtigen Zielgruppen in einem unverbindlichen Gespräch und kann sie von den positiven Effekten überzeugen.


4. Weiterführende Links und Lektüre zum Thema





Ich hoffe, dass ich mit dem Textbeitrag einen kleinen Einblick in die Praxis des Blühstreifenanbaus auf unserem Betrieb geben konnte. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der ebenfalls in den Anbau von Blühstreifen oder Blühflächen einsteigen möchte. Ich finde, diese leisten einen guten Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft und bieten eben auch optische Anreize für die Flora und Fauna.

Leider habe ich nicht mehr Bilder, da ich zwischenzeitlich Probleme mit dem Smartphone hatte und daher einige Bilder verloren gegangen sind.

Für weitere Anregungen, Fragen oder Hinweise stehe ich gerne zur Verfügung.


Leo Rösel
Techniker für Landbau und Fachagrarwirt für Erneuerbare Energien-Biomasse
leo.roesel@web.de
Statistik
Veröffentlicht am:
12.01.2016

Aufrufe:
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12

Kommentare:
2

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27.01.2016 23:16
Fox
Julian
Nürnberger Land
26.12.2007 - #3721

888
1
Sehr schöne Idee Leo

Bin auf weitere Beiträge gespannt!

28.01.2016 07:27
Biogaserer
leo
Neukirchen
26.12.2006 - #2309

3.993
1
Vielen Dank Julian.

Der nächste Teil ist in Arbeit.

Eigentlich wären noch Bilder in dem Blog, aber ich konnte die irgendwie nicht einpflegen

Gruß Leo







 


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